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Spezialambulanz für Neuroborreliose

Was ist Neuroborreliose?

Bis zu 80.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Borreliose. Bei der Erkrankung tritt nach dem Stich einer infizierten Zecke eine ringförmige Hautrötung auf. Wenn die Bakterien auch das Nervensystem befallen, spricht man von einer „Neuroborreliose“. Die Beschwerden der Neuroborreliose sind häufig so charakteristisch, dass die Diagnose auch ohne weitere apparative Untersuchungen einfach und sicher zu stellen ist. So beispielsweise das „Bannwarth-Syndrom“ mit heftigsten, nächtlich betonten, reißenden Schmerzen, bisweilen auch mit Lähmungserscheinungen. Manche Schmerzen oder Gefühlsstörungen sind jedoch so wenig eindeutig, dass weitere Diagnostik, wie zum Beispiel eine Analyse des Nervenwassers notwendig ist.

Für wen ist unsere Ambulanz gedacht?

Unsere Ambulanz wird von Patienten aus ganz Deutschland aufgesucht, die schon bei vielen Ärzten waren. Die meisten leiden unter chronischen Schmerzen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, Schwindel, Hitzewallungen, Gefühlsstörungen, Depressionen, Schlafstörungen - die Liste der Beschwerden ist oft lang. Als Ursache wurde eine Borreliose festgestellt oder zumindest verdächtigt. Viele unsere Patienten haben daraufhin wiederholt Antibiotika erhalten, doch ein durchgreifender Erfolg blieb aus – und die Diagnose unklar.

Wir möchten für diese Patienten eine Anlaufstelle sein, uns Zeit nehmen und umfassend, nach modernsten Erkenntnissen beraten. Sind weitere Untersuchungen nötig (wie beispielsweise eine Analyse des Nervenwassers, die Liquorpunktion), kann ein kurzfristiger, stationärer Aufenthalt angeboten werden. Dann können zudem die verschiedenen Therapieangebote von der medikamentösen Behandlung, spezialisierter Schmerztherapie, Schlafanalysen bis zur intensiven Physiotherapie angeboten werden.

Aber auch bei Verdacht auf eine Therapiekomplikation oder zur Einholung einer zweiten Meinung steht selbstverständlich unsere Spezialambulanz zur Verfügung. Natürlich sind auch Patienten mit einer frischen Infektion willkommen. In Fällen, in denen kein kurzfristiger Termin in unserer Spezialambulanz möglich ist, steht unsere allgemeine Nothilfeambulanz mit kompetenter Beratung rund um die Uhr zur Verfügung. Bei komplizierten Fällen sind auch kurzfristige stationäre Aufnahmen möglich. Bitte setzen Sie sich mit dem Sekretariat der Abteilung für Neurologie, Telefon 08131/76-548, zu einer Terminvereinbarung in Verbindung. Kassenpatienten benötigen für den Besuch der Ambulanz einen prästationären Einweisungsschein vom Hausarzt, da sonst eine Abrechnung nur als Selbstzahler (Kosten ca. 80 €) möglich ist.

Was bietet wir an?

Sicherlich der wichtigste Grund zu einem Besuch in unserer Spezialambulanz für Neuroborreliose ist die eingehende Beratung durch einen Facharzt für Neurologie mit entsprechender Expertise in dem Bereich der Borrelien-Erkrankungen des Nervensystems. Nach einer ausführlichen Anamnese (Erfassung der Krankengeschichte) und eingehender neurologischer Untersuchung kann oftmals schon die Diagnose gestellt und eine wirksame Therapie empfohlen werden.

Darüber hinaus führen wir, wenn notwendig, auch weitere Diagnostik – dann meist im Rahmen eines kurzen stationären Aufenthaltes – durch. Dabei bieten wir unter anderem die Bestimmung eines neuartigen, an der Universitätsklinik München-Großhadern entwickelten, Aktivitätsmarkers an, des Proteins CXCL13.

Der Biomarker CXCL 13 ist im Nervenwasser nur bei der aktiven Neuroborreliose nachweisbar. Das Protein zeigt präzise die Anwesenheit von Borrelien im Nervensystem an und liefert damit den eindeutigen Beweis der Behandlungsbedürftigkeit mit Antibiotika. Auch als Frühmarker bei (noch) Antikörper-negativer Neuroborreliose ist CXCL13 geeignet. Weitere Literaturangaben zu CXCL13 finden Sie hier (Fachliteratur).

In unserer Klinik steht zudem die übrige neurologische Diagnostik wie Hirnstromkurve (EEG), Messung der Nervenleitung (VEP/SEP/NLG/EMG), Gleichgewichtstestung (VNG), Neuro- Ultraschall (Sonographie), und Schlafanalysen oder auch die Computer- oder Kernspintomographie (CT bzw. MRT) zur Verfügung.

In enger Abstimmung mit den überregional anerkannten Experten aus den Bereichen der Schmerztherapie, der Physikalischen Therapie sowie der Rheumatologie erfassen wir den Patienten mit all seinen „Facetten“ und entwickeln einen gemeinsam Behandlungsplan.

Kooperationen:

Durch Kooperationen mit

  • dem Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für Borrelien unter Leitung von Dr. V. Fingerle
  • der Arbeitsgruppe Neuroinfektiologie an der Ludwig-Maximilian Universtität München unter Leitung von Prof. Dr. H.-W. Pfister,
  • der Abteilung für Neuroimmunologie an der Universität Ulm unter Leitung von Prof. Dr. H. Tumani und
  • der Borrelioseambulanz der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Technischen Universität München unter der Leitung von Prof. Dr. H. Hofmann

ist unsere Spezialambulanz immer auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft und bei Bedarf können entsprechende Zuverweisungen und Beratungen erfolgen.

Wer leitet die Spezialambulanz für Neuroborreliose?

Geleitet wird die Spezialambulanz von Privatdozent Dr. med. Tobias Rupprecht, Facharzt für Neurologie und Oberarzt am Klinikum Dachau. Dr. Rupprecht war zuvor zehn Jahre am Universitätsklinikum München-Großhadern tätig und hat dort viele wissenschaftliche Arbeiten zur Neuroborreliose veröffentlicht und Patienten mit Neuroborreliose behandelt. Zudem war er in der Arbeitsgruppe von Prof. Pfister maßgeblich an der Entwicklung des Biomarkers CXCL13 beteiligt. Dafür erhielt er 2007 den Stiftungspreis der Deutschen Gesellschaft für Liquordiagnostik (Nervenwasseranalyse). PD Dr. Rupprecht ist Mitautor der europäischen Leitlinien für die Diagnostik und Therapie der Neuroborreliose.


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